Die Inquisition sitzt uns im Nacken. Eben noch haben wir einen imposanten Himmelskörper entdeckt, schon kommen sie angelaufen und schreien „Ketzerei“. Jetzt ist Überzeugungsarbeit angesagt, denn das Gezeter der Kirchendiener kratzt erheblich an unserem Ruf.
„Galileo Galilei“ von Tomas Holek und Michael Peichl entführt uns in die Vergangenheit, genauer gesagt in das 16. und 17. Jahrhundert. Astronomen und Forscher wie eben Galilei oder Keppler blicken mit dem Teleskop in den Himmel, beobachten und entdecken, verfassen Bücher und lehren an der Bibliothek. All das tun wir auch und hoffe so natürlich am Ende des Spiels die meisten Siegpunkte einzuheimsen. In die Quere kommen uns dabei eher weniger die Gegner – „Galileo Galilei“ spielt sich recht solitär – sondern eher eben jene Inquisitoren. Denn viel Ruhm bringt auch viel Argwohn. Und je fulminanter der Stern, den wir entdecken, umso wahrscheinlicher ziehen wir das Misstrauen des Klerus auf uns.
Das Teleskop auf dem Playerboard ist dabei der zentrale Mechanismus, mit dem wir aus sieben unterschiedlichen Aktionen auswählen können. Wir richten es auf ein Plättchen aus, welches uns immer eine oder mehrere Standartaktionen sowie mehrere freie Aktionen zur Auswahl bietet. Gut planen ist hier wichtig, denn das Teleskop darf immer nur bis maximal drei Schritte vorwärts bewegt werden. Wer hier eine wichtige Aktion überspringt, muss lange warten, bis er diese wieder erreichen kann. Immer am Ende des Zugs rotieren die Plättchen und bringen Varianz in das Geschehen.

Wir können Himmelskörper beobachten, indem wir passend mit Lichtwürfeln bezahlen. Diese befinden sich auf Entdeckungskarten. Ist der Nachziehstapel der Entdeckungskarten leer, endet das Spiel. Ein Komet benötigt immer eine Augenzahl mit einer Kombination aus zwei Würfelfarben. Rot und blau ergibt lila, gelb und blau gibt grün und Rot und grün ergibt Orange. Immer, wenn wir einen Würfel nehmen dürfen – ebenfalls eine gesonderte Aktion – startet dieser mit dem Wert 1. Wir können Aktionen nutzen, um Würfel um ein oder, sofern die Aktion schon verbessert wurde, um zwei Schritte zu erhöhen.
Der Würfelwert auf dem Brett lässt sich dann nochmal dank des Einsatzes von Kometen um 1 oder 2 erhöhen. Die Kometen geben am Ende des Zuges womöglich auch weitere Boni, sofern sie zum Einsatz kamen. Die Lehre an der Universität bringt ebenfalls Boni und Siegpunkte in je einem von vier Zielen. So erhalten wir satte Punkte für jeden Kometen, den wir entsendet haben, oder auch für jeden Inquisitor, der in unserem Keller schlummert – egal, ob er schon voll auf unserer Seite ist oder erst noch überzeugt werden müsste. So lässt es sich schön auf individuelle Ziele hinspielen. Vier weitere allgemeine Ziele winken mit Punkten für den, der sie am schnellsten erfüllt.

Ein zentrales Element ist es, das Buch weiterzuschreiben. Das fühlt sich sehr thematisch an, man fügt Seite um Seite hinzu und kann – stellt man es geschickt an – eine ganze Reihe an Belohnungen freischalten. Hier vor allem lassen sich Inquisitoren überzeugen oder neue Würfel generieren. Die Buchseiten sind die Karten der entdeckten Himmelskörper. Beobachten und Entdecken lohnt sich also doppelt – zum einen regnet es mehr oder weniger Siegpunkte. Zum anderen wird unser Wälzer dicker und damit auch ertragreicher, wenn wir die Buchaktion nutzen. Ein schöner Kniff.
Beobachten lassen sich auch einzelne Konstellationen. Auf diese legen wird Marker. Auch hier – wie könnte es anders sein – winken Siegpunkte oder andere hilfreiche Dinge als Belohnung. Das kann zum Beispiel ein Winkel sein. Dieser erlaubt es uns, spezielle freie Aktionen durchzuführen. Zum Beispiel einen Würfel erwerben oder einen Würfelwert erhöhen. Je mehr Winkel man besitzt, desto mehr und mächtigere freie Aktionen stehen uns offen.

Die grafische Gestaltung von Michal Peichl trägt maßgeblich zur immersiven Atmosphäre bei. Der Spielplan mit seinen detailreichen Darstellungen des Firmaments und die hochwertigen Komponenten, wie das individuell gestaltete Observatorium jedes Spielers und die einzelnen Entdeckungskarten, sind nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch ansprechend. Die Ikonographie ist klar und unterstützt einen flüssigen Spielablauf. Regelunklarheiten kamen kaum auf, lediglich der Mechanismus der Inquisitoren ist auf den ersten Blick etwas sperrig, erklärt sich aber im Verlauf des Spiels.
Wer auf harte Konfrontation oder Interaktion an allen Ecken und Enden hofft, der wird sicher enttäuscht. Man kann sich zwar die Entdeckungskarten streitig machen, aber meist liegt wenigstens eine weitere da, die genauso gut zum eigenen Plan passt. Dass die solitäre Sternguckerei dennoch Spaß macht, liegt am Wettstreit gegen die Inquisition, den eigentlichen Gegner im Spiel. Denn immer am Ende unseres Zuges kommt es zur Befragung, wenn wir zumindest einen Inquisitor ein wenig überzeugen konnten. Dann wird geschaut, an welcher Stelle im Kerker die Herrschaften liegen. Je weiter links desto kritischer wird es für uns. Liegen Sie allerdings ganz rechts, dann gönnen sie uns sogar Pluspunkte.
Das ganze fühlt sich überdies noch sehr thematisch an und ist für ein Kennerspiel flott gespielt. Der Schwierigkeitsgrad liegt dabei im mittleren Bereich, man muss kein Vollprofi sein, um mit Regeln und Mechaniken klar zu kommen. Autor Tomas Holek hat übrigens mit „Seti“ aktuell ein weiteres heißes Eisen im Feuer.
„Galileo Galilei“ von Tomas Holek und Michael Peichl
Frost Games
Für 1 bis 4 Spieler
Dauer: circa 90 Minuten
Preis: circa 55 Euro